2.Warum Soziale Netzwerke? (Noch kein bessere Titel eingefallen)

Soziale Netzwerke gehören zum sogenannten Mitmach-Web. Sie leben von "user generated Content" (nutzergeneriertem Inhalt), d.h. sie bestehen größtenteils aus Inhalten, die die Nutzer selbst online stellen, wie Fotos, Texte oder Videos. Die Angebote sind für gewöhnlich kostenlos und finanzieren sich über Werbung.

2.1 Was sind derzeit die bekanntesten Sozialen Netzwerke?

Zu den bekanntesten Sozialen Netzwerken für Jugendliche zählen derzeit MySpace, Facebook, Netlog oder studiVZ (bzw. die verwandten Netzwerken schuelerVZ oder meinVZ). Diese Netzwerke nutzen Jugendliche, um mit ihren FreundInnen in Kontakt zu bleiben oder auch neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennen zu lernen. Szene1.at ist das größte österreichische Soziale Netzwerk. In den meisten Netzwerken gibt es die Möglichkeit, Gruppen zu bestimmten Themen anzulegen und so die Kommunikation mit Gleichgesinnten zu erleichtern.

2.2 Warum Soziale Netzwerke so erfolgreich sind

Soziale Netzwerke werden hauptsächlich dazu genützt um Kontakte zu knüpfen. Vor allem wird aber auch das im wirklichen Leben vorhandene Freundschafts- und Schülernetz online gepflegt. So treffen sich Jung und Alt von früh bis spät online, um sich mit Freunden und Klassenkameraden
auszutauschen. Die Netzwerke erweitern ihre Face-to-face-Kommunikation.
Die Freundschaftsbücher von damals sind interaktiv geworden: Auf den Plattformen können sich
die Teilnehmer präsentieren und über ihr virtuelles Selbst in Kontakt mit Gleichaltrigen
treten. Sie unternehmen damit gewissermaßen digitale Schritte zur Selbstfindung und
Identitätsbildung. Wer bin ich und was kann ich? Wie viele Freunde habe ich und wie ist mein derzeitiger Beliebtheitsgrad? Man will wissen, wie andere auf das eigene Profil reagieren, sich positionieren und seinen Selbstwert testen. Dazu werden meist andere Profile analysiert und Ideen gesammelt um sein eigenes zu verbessern. Auch Verliebtsein und Flirten sind für Heranwachsende zentrale Themen. Über die
Plattformen lässt es sich leicht und ohne Hemmung anbändeln (s.o. "gruscheln") oder über den
Schwarm informieren. Jemand schreiben ist um einiges einfacher meist, als sich gegenüber zu stehen und ein Gespräch zu führen. Es fehlt die Zeit, die Wortwahl zu überdenken um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Die eigene Identität erproben, mit Rollen experimentieren, sich
abgrenzen – all das sind typische Entwicklungsaufgaben auf dem Weg ins Erwachsensein. Nicht zu unterschätzen ist aber auch ein gewisser Gruppendruck. Wenn die Mehrzahl der
Schulkameraden/innen Mitglied im schülerVZ ist, sich die Klasse hier austauscht und Online-
Erlebnisse miteinander teilt, entwickelt sich eine Parallelwelt. Nur wer dabei ist, weiß, was "in" ist
und kann am nächsten Schultag oder Arbeitstag mitreden.

2.3 Diskussions-Gruppen

Die Mitgliedschaft in Gruppen sagt ebenfalls etwas über die eigene Persönlichkeit aus. Durch
Gruppenzugehörigkeit unterstreicht man sein Profil und bekennt sich zu seinen Interessen und
Einstellungen. Man demonstriert, zu einer Gemeinschaft, einer "Online-Clique", zu gehören.
Mädchen positionieren sich stärker als Jungen über Gruppenmitgliedschaften, was sich im
Umfang ihrer Gruppenlisten offenbart (z.B. 50 Gruppen). Die Mitgliederzahl der Gruppen
schwankt stark, kleinere haben 5, 40 oder 100 Anhänger, größere erreichen 100.000 Mitglieder
oder mehr. In den Gruppen spiegelt sich das Themenspektrum wider, das junge
Menschen beschäftigt:
- Schulalltag ("Hausaufgaben gefährden meine Gesundheit", "Abschreiben bei Arbeiten?
Wir nennen das Teamwork!"),
- Freundschaft und Gemeinschaft (könnte zum Beispiel sein, "Der Studiengang CMS07 ist der Beste!"
- Erwachsenwerden und Identität ("Ich lebe nicht, um zu sein, wie Andere mich gerne
hätten", "Gott schuf die Neugier und nannte sie MUTTER", "Wer mich entführt gibt mich
spätestens morgen zurück!"),
- Alkohol und Party ("Alkohol ist keine Lösung - sondern ein Destillat", "Ich mach auch
dann noch Party, wenn ich schon klinisch tot bin"),
- Spaß und Unterhaltung ("Lieber Dr.Sommer: Ich wurde gegruschelt, bin ich jetzt
schwanger?"),
- Sexualität ("Kein Sex vor der Ehe? Keine Hausaufgaben vor dem Abi!") oder
- Liebe ("Wer Sex für das Größte hält, war noch nie richtig verliebt!").

Nicht alles, was hier in bunten Farben geschildert wird, sollten Eltern für bare Münze nehmen.
Man trägt auch dick auf, um zu provozieren und "cool" zu wirken.
Erwähnt werden sollen noch Beispiele für Gruppen, die Eltern und Pädagogen gefallen dürften:
- "schuelerVZ gegen Rechts"
- "Du warst sexy bis ich die Zigarette in deiner Hand sah…"
- "Lesen macht sexy"
- "Gegen Mobbing im schülerVZ"
- "Schon wieder auf meinem Profil? Meine Fresse, druck es dir aus!" – eine Gruppe gegen
Stalker.

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